Tod im Glas
„Was ist das? Das ist Tod im Glas! Willst du mich umbringen?!“ Das war die Reaktion meines Mannes, als ich ihm das Glas mit gemahlenen Chilis unter die Nase gehoben habe. Dabei wollte ich nur helfen. Vorausgegangen war ein Nieskrampf seinerseits. Nachdem ich am Nachmittag selbst erfahren durfte, wie sehr das Pulver die Nase frei macht, hielt ich die Konfrontationstherapie für eine gute Idee. Dabei war wahrscheinlich die nachmittägliche Chilipulverproduktion überhaupt erst der Auslöser für sein Dauerniesen.
Schon beim Zerkleinern sorgen die fiesen Chiliwölkchen dafür, dass die Nase nicht nur ein bisschen juckt. Beim Abfüllen staubt es und das Pulver brennt höllisch in der Nase. Genau aus diesem Grund ist es eine hervorragende natürliche Abwehr gegen alles, was unerwünscht im Garten wühlt. Wir hatten ja schon mal ein großes dubioses Loch, das man locker als nächtlichen Ölbohrversuch hätte einordnen können. Und da ich – ganz Schwabe – auch die grünen Chilis nicht einfach entsorgen konnte, sondern ebenfalls getrocknet hatte, konnte ich den Tipp aus dem Netz auch leicht umsetzen. Chilipulver soll die ungebetenen Gäste vertreiben und siehe da – das tut es auch.
Die grünen Schoten waren auch kleiner als die schönen roten. Allein die Aussicht, von allen den Stiel abzuknibbeln war sowas von unerquicklich. Und da ja der Jahresvorrat mit roten Schoten abgedeckt war, habe ich die grünen gerne geopfert. Samt Stiel kommt alles in den Mixer, da kann man sich die Mühe sparen, die Stiele zu entfernen. Die Industrie würde das wohl als Füllstoff bezeichnen. Genauso habe ich es auch diesmal wieder gemacht. Allerdings mit mehr Chilis. Die letztjährige Überproduktion erlaubt mit dieses Jahr eine Chilipause im Beet und in weiser Voraussicht hatte ich auch wieder jede noch so kleine, grüne Schote geerntet (viele sind sogar beim Trocknen noch errötet).
Aus fast drei Vorratsgläsern getrocknetem Ausschuss ist so ein ganzes 500-g-Glas feinsten Marderschrecks entstanden. Und als Schnupfenprävention taugt das Pulver auch. Zumindest meine Nebenhöhlen waren gründlich ausgespült und die Nase so frei, wie sonst nur nach dem Tauchen im Meer. Statt Liebe lag sicher noch Chili in der Luft, als mein Mann heimgekommen ist.


Marderschreck und Schnupfenprävention in einem Produkt. 2-in-1, bzw. 3-in-1 – wenn einem der Füllstoff nichts ausmacht, eignet sich das Pulver ja auch noch zum Verfeinern der Mahlzeiten. Wobei das Höllenpulver so viel Wums hat, dass „Verfeinern“ wohl das falsche Wort ist.
Zumindest können wir nun an ausgewählten Stellen im Garten unerwünschten Besuch fern halten. Fragt sich nur, ob Gift nicht sogar humaner wäre (keine Sorge, das steht nicht zur Debatte). Schon beim Verstreuen juckt es mich wieder in der Nase und der unbekannte Gräber tut mir fast ein bisschen leid. Es ist auch nur eine Frage der Zeit, bis die entsprechenden Stellen zugewachsen sind, aber die Stecklinge bekommen auch nur dadurch überhaupt eine Chance, diesen Job auch zu erledigen. Falls dann noch Juckpulver übrig ist, können wir es ja als Anti-Schnupfen-Mittel verwenden. Wird einfach in feinen Linien in die Nase gezogen… Gesundheit!

Wer seinen Nasenschleimhäuten den letzten Rest zu geben gedenkt, der solle ruhig Chilipowder schnupfen….! 😁 Aus medizinischer Sicht nicht wirklich zu empfehlen. Dass so jedoch unliebsame Gartenbuddler vertrieben werden können, das scheint mir durchaus möglich. Und ansonsten reicht der Vorrat ja wieder für viele, viele Gerichte mit enormem Pfiff, die so richtig einheizen. Was im Moment nicht dringlich nötig wäre, aber schmecken tuts dann doch lecker!
Hier ist es von jetzt auf gleich Sommer geworden. Hab soeben im Garten die Vogeltränke neu befüllt; dort herrscht emsiges Treiben, fröhliches Geplansche, und der Durst wird auch gleich noch gelöscht. Die Spiren sind da, als letzte „Einwanderer“ aus dem Süden, jetzt kann es getrost einsommern. Was ich ja nicht soooooo unbedingt zum Leben brauche- aber wenns draussen schön ist, ist’s schon schön! 🌞
Fröhliches WE, herzliche Grüsse!
So eine schöne scharfe Tomatensoße mit Pasta geht bei mir immer, selbst im Hochsommer. Beim Würzen bekommt man ja immer mal wieder eine Wolke in die Nase, wenn man nicht acht gibt 🤧. Aber es lohnt sich jedes mal!
Mit den sehr jagdfreudigen Nachbarskatzen ist das mit der Vogeltränke hier schwierig aber mein Mitgärtner hat schön Pläne für eine Insektentränke – wird nie langweilig. Wenn man ein schönes Schattenplätzchen hat, ist der Sommer herrlich! Ich könnte gerade nicht glücklicher sein 😊.
Liebe Grüße!
Ja, an Chilipulver sollte man besser nicht schnuppern und es auch nicht mit den Fingern dosieren. Aber gut, wenn es ungebetenen Gäste aus dem Garten vertreibt! Ob es wohl einen dauerhaften Effekt hat? Ich hoffe das Beste für deine Pflänzchen!
Liebe Grüße
Heike
Für einen dauerhaften Effekt müsste ich wohl höher dosieren. Momentan kommt es nur zur Anwendung, wenn ich sehe, dass in den Beeten wieder gewühlt wird. Dort wo es nicht zugewachsen ist, liegt Mulch und da sollen die Katzen und anderen Gäste nicht buddeln (und anderes…). Wenn der Lerneffekt wieder nachlässt, streue ich halt wieder eine Priese.
Liebe Grüße
Vanessa
Oh gute Idee und Verwendung. Der Göga sucht eine Mittel gegen Ameisen. Ob das auch was wäre.
oder ist das womöglich zu grausam? Ich sollte Deinen Gatten fragen. 🤭
Ein wunderschönes sommerliches Pfingstwochenende im Garten wünsche ich dir. Liebe Grüße Tina
Die Ameisen sind von dem Pulver völlig unbeeindruckt. Die wandern hier fröhlich durch die Gegend. Ein Gärtner meinte mal bei einer Gartenführung, da helfe nur Gift 😯.
Liebe Grüße und ebenfalls ein herrliches Sommerwochenende!
Vanessa
Ein echtes Wundermittel, will mir scheinen.
Unerwünschte Buddler vertrieben, Essen verfeinert, den Mann nachhaltig beeindruckt und die Nase frei ! Mehr geht fast nicht.
Schöne feurige Pfingsten gewünscht
LG Britta
Wahrscheinlich ginge noch viel mehr. Habe gesehen, dass es „PumpUp-Lippenstifte“ mit Chili gibt, die schöne volle Lippen zaubern sollen. Einen Selbstversuch mit dem Eigenanbau lasse ich aber lieber – keine dicke Lippe riskieren…
Liebe Grüße
Vanessa
Wo kann man sich bei Dir als Marder bewerben?
(Ich liebe Chilis ab 500K Scoville.)
Die Stelle ist bereits vergeben – bekommen auch nur Kandidaten mit besonders niedlichen Knopfaugen. Da bin ich sehr voreingenommen 😉.
wegen unseres niedliche haustieres werde ich wohl kein chili verstreuen um garten – und nützlinge wie igel hält es sicher auch ab………
vll. kannste mal die hier ansässigen thai- und indisch restaurants beliefern – bestelle immer *scharf* aber es ist meist noch nichtmal würzig 🙁
xxx
Um alles und jeden abzuhalten, müsste ich wohl den gesamten Garten impfen. Da ich mich auf wenige Ecken beschränke, ist hier noch reichlich nächtlicher Verkehr zu beobachten. Der Igel ist auch wieder unterwegs und sogar einen Waschbären haben wir mittlerweile gesichtet. Die haben ihre feste Route – am liebsten auf dem bequemen Weg, den auch die Menschen nehmen 😄.
Mein Mann schaut auch immer ganz traurig, wenn er sich mal wieder irgendwo „scharf“ bestellt hat. Die Köche hier trauen uns das wohl einfach nicht zu. In Thailand kamen sie dann auch immer gucken, ob der deutsche Touri noch lebt 😄. Leider ist es nicht erlaubt, seine thailändische Lieblingsköchin in den Koffer zu packen…
Liebe Grüße!
Tod im Glas – der Humor deines Mannes ist schön und malerisch. Ich kann nicht so brutal gegen Ungeliebtes Vorgehen im Garten, weil ich damit rechnen muss, dass Mona davon eine Nase nimmt. Ansonsten würde ich es sofort gegen Ameisen versuchen einzusetzen.
Hab ein schönes langes Wochenende!
Ich glaube, die Tiere merken viel schneller als wir, wo man seine Nase lieber nicht rein steckt. Aber mit Hund wäre ich auch vorsichtig. In den Ecken, wo ich es nutze, hilft es sehr gut. Die Ameisen stört es da aber gar nicht, die wuseln fröhlich weiter. Ich glaube nicht, dass es gegen Ameisen wirklich hilft. Und um den ganzen Garten „besuchsfrei“ zu halten, müsste ich viel mehr einsetzen. Dann würde ich es wahrscheinlich selbst nicht mehr im Garten aushalten 🤧
Liebe Grüße und schöne Feiertage!
Tod im Glas – hihi. Tod den Schleimhäuten vielleicht, da hat dein Mann gar nicht so unrecht. Schade, dass es nicht gegen Ameisen hilft, da wüsste ich Verwendung, aber zum Glück nicht bei mir in der Wohnung.
Aber gut, dass du nun für alle Chillies eine Verwendung gefunden hast. Oft wirft so ein Garten ja viel mehr ab, als man essen kann. Apropos: ab sofort sind wohl eher Sommersalate angesagt :-))
Herzliche Grüße!
Salate habe ich gar nicht im Beet – das habe ich einmal getestet aber der Eiweißgehalt war mir als Stadtkind einfach zu hoch… Für dieses Jahr haben wir noch mildere Chilisorten im Test. Die können dann hoffentlich komplett in den Speiseplan integriert werden 🔥🥵
Feurige Grüße
Liebe Vanessa,
„Tod im Glas“ – das ist eine Formulierung, bei der man sofort weiß, dass man es mit einem Mann zu tun hat, der in der Dramatik seines Ausdrucks keine halben Sachen macht. Tiefste Bewunderung für diese Qualität der deutschen Sprache im Alltag – und für einen Mann, der sie zu nutzen weiß.
Das mit der Konfrontationstherapie hat natürlich eine bestechende Logik: Wenn es dir selbst die Nebenhöhlen freibläst, muss es dem anderen doch wenigstens das Niesen erklären. Der Ansatz ist kühn. Das Ergebnis war wohl ausbaufähig.
Für mich ist das Faszinierende dabei die Verwertungskette: Überproduktion, getrocknete grüne Schoten, Mixer, Marderschreck – und nebenbei ein biologisches Atemwegsmittel der härteren Gangart. Das hat eine art schwäbische Ökonomie, die ich wirklich beeindruckend finde.
Die hohe Kunst, Alltagsdinge mit überraschend treffsicherem Vokabular zu beschreiben, habe ich selbst neulich gefeiert – meiner Liebeserklärung an die deutsche Sprache kannst du mit einem Klick auf meinen Namen auf die Spur kommen.
Herzliche Grüße und gesunde Schleimhäute!
Ron
Naja, er hat auch schon behauptet, ich wolle ihn umbringen, als ich ihm Kapuzinerkresse unter die Nase gehalten habe. Essbare Blüten scheinen also auch eine gewisse Dramatik zu verursachen 😄. Die schwäbische Ökonomie hingegen lässt sich nicht leugnen. Die steckt mir quasi im Blut – nur bei der Sprache hapert es leider. Dabei könnte ich eine Liebeserklärung an Dialekte schreiben.
Was die deutsche Sprache angeht, fällt mir immer ein ehemaliger Englischlehrer ein, der sich königlich darüber amüsiert hat, wie viele Wörter wir mit „zeug“ bilden: Flugzeug, Spielzeug, Fahrzeug… Wenn das jemand 1:1 ins Englische übersetzt, kommt es einem ziemlich absurd vor. Und dann erkläre mal einem Nicht-Muttersprachler den Unterschied zwischen umfahren und umfahren. Bin ich froh, dass ich das nicht lernen muss.
Viele Grüße
Vanessa
Liebe Vanessa,
schön wieder von dir zu lesen.
Herrlich geschrieben.
Ich musste mehrfach lachen.
Besonders die Beschreibung als „Marderschreck und Schnupfenprävention in einem Produkt“ klingt verdächtig nach einer Marktlücke. 😄
Herzliche Grüße
Jutta
Das Pulver spült wirklich alles aus… Viren aus der Nase und Marder aus dem Beet 😉. Und dabei auch noch ganz natürlich, aber vielleicht nicht frei von Nebenwirkungen – an einer Stelle fangen schon an, neue Chilis zu keimen (im Beet, nicht in der Nase).
Liebe Grüße
Vanessa
Hey,
die Überschrift hat mich absolut animiert dringend weiterzulesen. Einfach herrlich!
Liebe Grüße!
Das freut mich – auch, wenn ich es nicht auf Clickbait anlege 😉
Liebe Grüße!
Du solltest dir das patentieren lassen 🤣. Und in die Produktion geht. Und ich hätte einen Wunsch: Arbeite doch bitte mal an einer sanften Version gegen Mücken.
Ich finde die Idee sehr gut und wünsche dir, dass es ganz viel fernhält. Aber nicht deinen Mann 😉
Liebe Grüße
Nicole
Was gegen Mücken fehlt tatsächlich noch. Hier geht es zum Glück von der Menge. Vielleicht könnte ich sie ausräuchern 🤔? Angeblich kann man mit Salbei schöne Räucherbündel basteln und der wächst hier auch super. Soviel können wir gar nicht verbrauchen.
Liebe Grüße
Vanessa
Chili kann ich im essen nicht vertragen; mir schmerzt schon bei kleinen Mengen die Mundschleimhaut. Nun hat mein Mann einen Versuch mit zwei Pflanzen gestartet und ich bin gespannt auf unser erstes Gemüse. Vielleicht kann ich ja meine Portion jeweils den Wühlmäusen anbieten?
Liebe Grüße
Susanna
Wir sind dieses Jahr auch auf eine weniger tödliche Variante umgestiegen. Ich bin mal auf die Ernte gespannt – sofern es denn auch eine gibt. Ich will ja nicht nur Wühlmaus-Abwehrmittel anbauen 😬
Liebe Grüße
Vanessa
Nicht schlecht, dein Marderschreck. Muss ich mir mal merken. Vielleicht solltest du bei der nächsten Herstellung Handschuhe tragen und eine Maske (und dein Mann am besten auch 😀 )
Liebe Grüße
Sabine
Das mit der Maske habe ich mir hinterher auch gedacht. Hinterher ist man immer klüger – dieser Spruch passt einfach immer wieder…
Liebe Grüße
Vanessa
Sehr interessant und aufschlussreich…obwohl angeblich ein Niesanfall auch sehr gesund sein soll, weil es die Durchblutung anregt. LG Romy
Ist wohl wie mit allem – die Dosis macht das Gift…
LG
Vanessa